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Professionell und Peer

In einem meiner Beiträge habe ich bereits erwähnt, dass ich dabei bin eine Recovery orientierte Gruppe auf unserer Station aufzubauen. Ich bin aktuell dabei die ersten Gruppen durchzuführen. Der Wunsch, welcher auf der Station mitschwingt ist, dass die PatientenInnen in das Handeln kommen. Hierfür haben wir verschiedene Gruppen wie die Ergo, Entspannung, Achtsamkeit, Nordic Walking, Fitness, HLT, Cockpac, etc. Zum reden gibt es 1 x in der Woche Psychologin, die PatientInnen können sich zum Arztgespräch melden und wenn die Zeit es zulässt ist das Pflegepersonal da, insbesondere bei den Einzelgesprächen (hier wird auch wirklich Wert drauf gelegt).

Mein Plan war es die Gruppe einzuteilen in einen kleinen Wissensanteil, einen kleinen Workshop und einen Gesprächsteil (muss nicht so streng getrennt durchgeführt werden)

In der Realität zeigt sich bislang, dass die PatientenInnen an Wissen interessiert sind, aber auch gerne sprechen möchten. Ich habe mir so einige Gedanken gemacht und wollte es allen Stimmen recht machen und den Workshop Teil durchsetzen. Ich merke jedoch,wenn ich mit den PatientenInnen als Peer spreche ist es im Grunde am stimmigsten in der Gruppe. Auch ich fühle mich am wohlsten, da ich dann ich sein kann. Das Wissen kann ich geschickt mit einbringen und so kommen wir gemeinsam in das Nachdenken.

Das Nachdenken ist aus meiner Sicht in der akuten Phase (wir sind eine Akutstation) von großer Bedeutung. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, in einer akuten Situation sind die Gedanken Chaos. Man ist durcheinander, fragt warum, hat noch kein Ziel und oft nicht mal die geringste Idee wie es weiter gehen soll. Es heißt hier erstmal zu ordnen. Auch das Ordnen ging bei mir nicht über einen definierten Zeitraum. Ich ordne auch heute noch, nur dass es ein Ordnen mit mehr Systematik ist. Ich persönlich kann im reden am besten ordnen. Wenn ich mich über ein Problem unterhalte und eine Lösung suche, finde ich diese so am besten. Ich glaube das es so einigen genauso ergeht. Das Sprechen regt mein Denken an und somit das Handeln. Wenn ich bevor ich geordnet bin Handel, würde es im Chaos enden. Aber ich weiß natürlich, dass im stationären Setting das Handeln zur Tagesstrukturierung dient und als Anreiz für die Strukturierung im häuslichen Umfeld. Dennoch möchte ich betonen, dass Sprechen gerade in der akuten Phase viel bewirken kann.

Ich merke, wenn ich mein vorgelegtes Programm durchziehen möchte, einen viel schlechteren Zugang zu den Gruppenmitgliedern bekomme. Ich merke langsam wie ich auch hier anfange zu verstehen andere im Kontext Genesungsweg mitzunehmen. Dieses gelingt nur, wenn ich mich der Situation hingebe und mich einlasse auf das was gerade ist und was ich von den Patientinnen bekomme. Es muss eine einheitliche Schwingung im Raum erzielt werden und Vertrauen wachsen. Es geht hier nicht um Lehren, sondern das gemeinsame voneinander lernen. Das was in Büchern steht, wird fühlbar.

In der Gruppe geht nicht darum Professionelle und Peer zu sein. Es geht darum Peer zu sein und die eigenen erfahrenen Stimmigkeiten aus dem professionellen Kontext als Peer und Mensch, als gute Erfahrung an die anderen Gruppenmitglieder weiterzugeben.

Ich bin schon gespannt auf den weiteren Weg und freue mich weiter daran wachsen zu können und hoffentlich (hier wieder) als Peer und Professionelle auch etwas aus den Gruppenerfahrungen in den professionellen Kontext hineingeben zu können zu können.

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