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Ein Wegbegleiter ist gegangen

Ich schreibe diesen Beitrag aus Dank an einen Freund und Wegbegleiter, der einen wesentlichen Anteil meiner Recoverygeschichte mit mir bestritten hat. Gestern ist er nach schwerer Krankheit gegangen. Viele Gedanken schossen mir durch den Kopf. Wie geht es wohl jetzt weiter, auch mit dem was er zurücklässt, wen frage ich, wenn ich mit den Pferden mal unsicher bin, hinaus über religiöse Fragen, ob wir uns wohl wieder sehen, ob er mich jetzt beobachten kann, wenn ich mich mit meinem Mann um die Pferde kümmere, und natürlich kommen viele, viele Erinnerungen eines gemeinsamen Weges. Ich habe ihn kennengelernt, als ich beschloss reiten zu lernen. Er war Reitlehrer. Ich war Anfang zwanzig und hatte bereits mit meinen Ängsten zu kämpfen. Kurzum dachte ich es wäre doch toll ein eigenes Pferd zu haben. Gesagt, getan. Ich konnte das Pferd dort unterstellen und auf meinem eigenen Pferd Unterricht nehmen, was für mich auch dringend notwendig war, denn das Pferd konnte bereits alles, ich nichts. In den nächsten 10 Jahren verbrachte ich die meiste Zeit auf diesem Hof und es war auch die Zeit mit schlimmen Ängsten. Meine Familie hatte derweil selbst mit Dingen zu kämpfen und so waren er und mein Pferd die Einzigen, die für mich da waren. Er hat viele lange Gespräche mit mir geführt und mir Mut gemacht. Er hat mir ein zu Hause gegeben auf diesem Hof und einen Zufluchtsort, und das Gefühl jemanden zu haben der mir zuhört und mich versteht. Später sagte er immer das es mein Pferd war, das mir das Leben gerettet hat. So war es auch. Wegen diesem Tier bin ich immer wieder aufgestanden, zur Arbeit gegangen, habe mich aus dem Haus getraut, auch wenn es mir noch so schwer viel. Mich immer wieder aufgerafft und gekämpft. Ich wusste, wenn ich aufgebe, gebe ich mein Pferd mit auf. Aber ohne ihn hätte ich es auch nicht geschafft. Dann lernte ich meinen Mann kennen. Ich bekam ein zweites Pferd. Ein Fohlen, ein Vertrauensbeweis von unserem Freund. Mein Mann und ich waren weiterhin viel auf diesem Hof, halfen und lernten mit unseren Pferden. Ich war in dieser Zeit innerlich gewachsen, fühlte mich selbstsicherer und hatte eigene Ideen und Philosophien was den Umgang und die Haltung der Pferde betraf. Mein Mann und ich beschlossen uns auf eigene Beine zu stellen mit unseren Pferden, um unsere Vorstellungen umsetzen zu können. Unserem Freund hat diese Entscheidung den Hof zu verlassen getroffen, das weiß ich. Wenn es auch immer mal in unserer Freundschaft Höhen und Tiefen gab, stellten wir sie mit dieser Entscheidung jedoch sehr auf die Probe. Ich habe seine Verletzung immer wieder zwischenzeitlich gespürt und das hat mir weh getan, aber dennoch haben wir uns weiter gegenseitig unterstützt, wenn es um unsere gemeinsame Leidenschaft die Pferde ging. Vieles was ich über Pferde weiß habe ich von ihm gelernt und hoffe, wenn er uns sehen kann, hat er Freude daran. Er lebt für mich in seinen Pferden weiter und dazu zählt auch eines seiner Fohlen das bei uns lebt und mittlerweile ein schönes, braves Pony geworden ist. Ich danke ihm für alles was er für mich getan hat und das ich heute ein gutes Leben führe, daran hat er einen Anteil. Er gab mir in einer schweren Zeit Hoffnung und Zuversicht.

Danke für alles

Melanie

2 Kommentare

  • Jeanette Geesmann

    Liebe Melanie, sei nicht so traurig. Er ist endlich von seinem langen Leidensweg erlöst. Er wird immer ein Teil von uns bleiben und im Herzen bei uns sein.

    • Melanie

      Liebe Jeanette,
      das ist der einzige Trost. 19 Jahre die ich nie vergessen werde und die meinen Lebensweg sehr geprägt haben. Du bist tapfer seinen Weg mitgegangen. Irgendwann wenn Corona vorbei ist, treffen wir uns und tauschen Erinnerungen aus. Das ist, was uns jetzt bleibt.

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