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Ein steiniger Weg in der professionellen Rolle

Ich habe es zum ersten Mal  gewagt unseren Patienten etwas von Recovery erzählt. Ich habe mir im Vorhinein überlegt eine Betroffenengeschichte aus einem Recovery Buch vorzulesen und anschließend kurz etwas über Recovery zu berichten. Wichtig war mir klar zu machen, dass die stationäre Behandlung bei uns häufig nur eine Station auf dem Weg zur Genesung ist. Die Patienten waren überwiegend dankbar und begeistert und ich hatte das Gefühl, das es richtig war. Kurze Zeit später kam eine Patientin zu mir und erzählte, dass sie die Recovery Geschichte zu sehr aufgewühlt habe. Damit habe ich nicht gerechnet, vor allem nicht da fast alle direkt positiv reagierten. So ein kleines Bauchgefühl spürte ich im vorhinein beim Durchlesen der Geschichten zur Auswahl wenn ich jetzt darüber nachdenke. Der Drang jedoch von der Recovery Haltung zu berichten überwiegte.  Ich erklärte der Patientin nochmals, dass ich mit der Geschichte Hoffnung machen wollte. Das man auch mit einer psychischen Erkrankung ein gutes Leben führen kann. Sie war emotional so aufgebracht, dass ich ihr sogar noch Bedarf geben musste. Ich war innerlich ebenso aufgebracht. Ich wollte etwas Gutes, von dem ich überzeugt bin und keinen Schaden zufügen. Ich dachte darüber nach, ob die Geschichte wohl etwas in ihr getriggert hatte. Ich sprach die Patientin zwei Stunden später nochmals an und fragte nach ihrem aktuellen Befinden. Es ging ihr schon besser. Sie berichtete noch so eine schlechte Stimmung zu haben, dass sie es noch nicht schafft etwas Gutes zu sehen und so an den negativen Dingen haften bleibt. Zumindest habe ich es so verstanden. Hier haben wir den Fall Menschen dort abzuholen, wo sie gerade stehen. Doch das scheint in der Theorie deutlich einfacher zu sein als in der Praxis. Außerdem beweist mir diese Situation, wie sensible man auch mit dem Thema Recovery umgehen muss, um die Betroffenen nicht zu überfordern. Zeit, Einfühlungsvermögen, Beobachtung und Bindungsaufbau spielen hier eine große Rolle.

Ich habe nach einer Nacht darüber schlafen beschlossen, erstmal keine Recovery Geschichten mehr vorzulesen, da ich nicht genau wissen kann ob ich etwas in Menschen hervorhole, was überhaupt nicht meine Absicht ist. Auf der anderen Seite gehört es auch zum eigenen Recovery Weg sich mit den ungemütlichen Seiten des eigenen Lebens auseinanderzusetzen. Ich habe gedacht, dass ich hier meine Kompetenzen überschreite.

Wiederum habe ich überlegt, studiere ich im Master und habe auch Kompetenzen. So stellt die Pflege sich wieder unter den Scheffel. Evtl. müsste man an diesem Punkt noch enger mit Psychologen zusammenarbeiten. Ich habe das Gefühl häufig noch nicht ernst genommen zu werden, dabei weiß ich es aus eigener Erfahrung und unterstützt durch das Studium, dass es gute und andere Wege gibt, bzw. auch gute und alte Wege sinnvoll ergänzt werden können.

Es ist einfach soooo schwer seinen Platz zu finden und ein steter Kampf. Ab zu denke ich, ob es das wert ist, sich so aufzureiben (auch innerlich). Vielleicht ist es leichter einfach mitzulaufen und dann nach Hause zu gehen und sein Leben zu genießen. Aber das bin nicht ich.

Am anderen Tag hat mir nochmals ein Patient für die Geschichte und meine Worte gedankt. Auch meine Angehörigengruppe war dankbar. Daher weiß ich, dass dieses Thema zwar nicht für alle der richtige Weg oder Zeitpunkt ist, jedoch eine Hilfe und Unterstützung für alle die ich damit erreiche.

Ohne sich bis zu einem gewissen Maß auszuprobieren und Erfahrungen zu machen, und das gilt auch für das Berufsleben, gewinnt man keine neue Erkenntnis. Diese darf unbedingt positiv sein, aber auch negativ, um sie dann wieder in etwas positives umwandeln zu können.

Also heißt es, nicht den Kopf in den Sand stecken und weiter an das glauben, was man selbst erlebt spürt und weiß.

Fantasie, Märchen, Nacht, Frage, Strauß

(Quelle Bild: Pixabay: https://pixabay.com/de/images/search/strauss/

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