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Wer bin ich

In den Zeiten als die Angst mich völlig in ihrer Hand hatte, gab es kaum positive Gefühle. Sie waren überschattet von ständiger Anspannung und enormen innerlichem Stress. Ich war fast rund um die Uhr damit beschäftigt sie in Schach zu halten. Angst kann sich nicht über längerer Zeit auf ihrem Höhepunkt halten, so schwächte sie auch ab, aber sie war immer da. Auch wenn sie gerade nicht so stark war, hatte ich Angst das es wieder so schlimm würde. Die typische Angst vor der Angst. Ich befand mich in einem klassischen Teufelskreis. Da waren auch so unangenehme Ängste vor dem völligen Kontrollverlust oder die Angst davor „verrückt“ zu werden. Ich habe permanent versucht Gefühle zu unterdrücken. Das schlimme war, das auch positive Gefühle Panik auslösten. Also ist man in einer Tour dabei seine Gefühle in einem Gleichgewicht zu halten. Sich nicht aufzuregen, aber auch nicht zu freudig zu sein. Zudem ist es auch nur ein vermeintliches Gleichgewicht gewesen. Es war im Prinzip ja alles aus dem Gleichgewicht geraten.

Letztendlich war es sogar soweit, dass ich nicht mehr wusste welches Gefühl „normal“ ist und welches nicht. Ich hatte mich selbst verloren. Ich wusste nicht mehr wer ich war. Ich war die Angst. Hatte ich überhaupt noch normale Gefühle? Wann waren sie in Ordnung? Woher kam diese innere Wut. Ich wollte sie nicht. Das war ich doch auch gar nicht.

Ich habe verzweifelt gehofft das mir jemand sagt wer ich bin. Habe ich auch eine gute Seite? Was kann ich? Habe ich etwas liebenswertes? Kann man einen Menschen lieben, der einfach nur eine Belastung ist? Mein Ehemann, meine Eltern, meine Schwester… ich sah nur noch einen verkümmerten Menschen, der abhängig war und eine Belastung für das Umfeld.

Ich kann mittlerweile gut erkennen, was ich an positiven Seiten habe, aber ich weiß auch genau, was vielleicht nicht in Ordnung ist. Wenn ich manchmal wütend bin, dann muss ich mir klar machen, dass mein Gegenüber vielleicht keine Schuld trägt, sondern meine Wut im Grunde meine Angst ist. Es ist nicht schlimm, wenn der Ehemann zur Feuerwehr gehen will und es steht im zu seinen Hobbys nachzugehen. Es ist meine Angst, die sagt: Ich möchte nicht alleine sein“.

Es ist schön wieder zu wissen wer man ist. Die Angst ist zwar ein Stück meiner Realität. Aber es ist nicht mehr meine Realität, das ich die Angst bin.

Das ist ein positiver Schritt auf meinem Genesungsweg.

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